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Unglaublich, wie viele nette Menschen . . . 31. 7. 2014

Über drei gute Wochen sind wir jetzt ohne große Unfälle oder Pannen unter­wegs.Dieses ist ganz ungewohnt und sogar recht verwunderlich.
Damit aber unser Seelengleichgewicht nicht vollständig aus den Gleisen flutscht, würzen wir weiterhin unsere ansonsten allzu eintönige Alltäglichkeit mit kleinen, pikanten Zwischenfällen an :
Mal eine zu enge Kurve, also ruppiger Grabenhopser und leicht eingedelltes Rad. Ab und an eine nette Falschkringelung, also noch eine weitere Delle am Hänger oder eine verbogene Deichsel.
Dann, selten aber saftig, ein sanftes Frisie­ren zu niedrig hängender Äste neben der Straße, also wiedermal ein abge­knickter Schornstein. Um dieses zu erreichen, habe ich den Ofen, also auch das Rauchrohr, an der Steuerbordseite, also zum Fahrbahnrand hin installiert. Dort erwischt man tiefhängende Äste leichter, was die Elastizität des Schornsteins erhöht.
Und jetzt zum Schluss die Krönung : Anne bricht sich ihr Handgelenk.
Sonst aber nichts Nen­nenswertes, nur so Kleinigkeiten, die wach halten.

Und ansonsten ?
Tuckeln so von Ort zu Örtchen, besonders zu erwähnen ist das verpinkelte Dorffest in Deux-Chaises (16). Dort durften wir zusehen wie die Bauern, wehmütig und verträumt, der „Guten Alten Zeit“ nachtrauerten. Es wurden Gespanne vor Mähbindern und Heurechen-Maschinen vorgeführt. Genau jene Gerätschaften der städtischen Industrien, welche das Aus der alten bäuerlichen Kultur in den 50er, 60er Jahren eingeläutet hatten.

Ich sehe das so :
Wer die Übermechanisierung der Landwirtschaft bejammert, wer gegen das Massakrieren der Landschaft und gegen die Zerstörung unserer Böden ist, der soll nicht die ersten Zeugen dieses Wandels vergöttern. Wer die Pest verflucht, sehnt nicht ihre ersten Anzeichen zurück : Die Ratten.

Aber das Erstaunlichste ist, überall, überall werden wir mit offenen Armen und warmen Herzen aufgenommen.

Ist es vielleicht so, dass diese uns fremden Menschen in uns einen ihrer schönsten Träume sehen ? Etwas, das sie selber gerne leben und erleben würden.
Offensichtlich haben sie keinen blassen Schimmer von den Würzbröckchen die unsere Fahrt bereichern.
Das aber ist ihr Standort, nicht der unsere. Von uns aus gesehen, da sieht es ganz anders aus. Und was ich jetzt hier, in diesem Moment schreibe, das transportiert wieder eine andere Botschaft als diejenige, die dort, weit entfernt von mir ankommt und entschlüsselt wird.
Aber so ist das nun mal, und da kann man nix dran drehen. Und deswegen braucht man die Dinge nicht so verbiestert ernst zu nehmen.
Es war im Dorf zuvor (N° 20), dort saßen wir drei Tage fest. Eine der Stuten lahmte.
Abwarten.
Ohne irgend jemanden zu fragen machten wir neben dem Bolz-Acker des Dörfchens Halt. Dort war eine saftige Wiese und vor allem ein gurgelndes Bächlein. Ein Paradies für die Rösser.
Erst zögerlich, dann in immer kürzeren Abständen und größeren Gruppen ka­men die Dorfbewohner, neugierig wie die Spinatwachteln. Wir wurden immer mehr mit Fragen und kleinen Geschenken überhäuft : Courgetten, Pflaumen, Kartoffeln, Eier, Salatköpfe . . .
Es war ein Luc, der uns besonders unter seine Fittiche nahm : Er kutschierte uns herum, um uns die Gegend zu zeigen, um Einkäufe zu machen. Wir konnten bei ihm duschen, die Waschmaschine benutzen und im Netz nach Herzenslust herumguggeln.

8Luc ist Mitglied einer Buddhisten-Gruppe (Soka Gakkai), deswegen fährt er oft in die Stadt (Vichy). Auch wegen seiner Arbeit muss er oft dort hin : So konnten wir das leicht muffigen Flair der Stadt schnuppern. Gusseisern über­dachte Kurpromenaden ranken sich wie verwittertes Korsettgestänge zwi­schen uralten Parkbäumen hindurch. Es fehlen nur die aufgeplusterten Röcke der Damen mit Schirmchen und die Gecken mit dem Hut.
Um nun unseren gemütlichen Trott fortzusetzen, wurde Anne auf dem Weg nach Trézelles (N° 21) von einem der Gäule so angerempelt, dass ihr Hand­gelenk weg-knackte : Knochenbruch.
Wir hatten aber vorher, dank Luc’s Telefon, beim Dorfschulzen von Trézelles nachgefragt. Das Ergebnis : Ein ganzes Empfangskomitee, vorne weg der Bürgermeister, nahm uns in Empfang und wies uns einen Luxusplatz auf dem Dorfanger am Fluss zu. Annes herunterhängende Flunke bewirkte zusätzlich, das wir mit Courgetten, Bohnen und süßen Zwiebeln überhäuft wurden.

Annes Transport ins Krankenhaus wurde vom Bürgermeister organisiert. Ein schmucker Krankenwagen kutschierte sie nach Vichy wo die Pfote eingegipst wurde. Die Herren Doktoren verordneten 10 Tage Ruhe.

Dieses erlaubt uns nun jeden Morgen gut durchzupennen, ein gemütliches Frühstück zu genießen, und den sonstigen Tag über nichts zu tun. Unser Pa­radies wird noch dadurch verschönert, dass ein sehr, sehr guter Bäcker im Örtchen ist, ein Alles-Kramladen, wo es außer Bananen und Käse auch Stricknadeln und Alleskleber gibt, und außerdem sind die Dorfbewohner von einer derartigen Freundlichkeit, dass es schon fast peinlich ist. Allerdings muss erwähnt werden, das unter den derzeitigen Bewohnern dieses Dorfes auch einige (ebenfalls ganz liebe) Franzosen sind. Die Mehrzahl sind Holländer, von denen die beiden örtlichen Campingplätze randvoll aufgefüllt sind.
Allerdings beeinflussen diese Mengen von Ferien-Holländern durch ihre Sonnen-Erwartungen das Ortsklima dergestalt, dass es holländische Eigenschaften angenommen hat : Regen, Regen, regen Austausch an kleinen gemütlichen Schwätzchen und stundenlangen Klönsnacks, so mancher gemütliche Umtrunk.
Trotz allen Glücks und der vielen Einladungen gibt es auch mal, ab und an, etwas zu essen bei uns.

Außerdem schreibt die Anne auch mal Artikel für dieses Schaufenster. Aber auf Franze.

. . . und ansonsten ?
Kurzweil blüht und würzt unser hiesiges Verweilen, ebenso wirkungsvoll wie das permanente Jucken unter Annes Gipsver­band. Somit braucht sie weder Kaffee noch Tee, denn das Gejucke hält sie ebenfalls wach und munter.
Wer will schon seine Ferien vertrödeln oder gar verschlafen ?

oswald

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