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Markttag 27. 12. 2015

Das sind Menschengesichter, wie Landschaften, die Spuren verwehten Erlebens sind dort eingekerbt.
Aber heute ist Markttag, Schnattertag, Feilsch- und Schachertag.
Da kringelt sich die müde Runzel und die Sorgenfalte strammt sich. Jetzt wird all das in der letzten Woche Versäumte nachgeholt, voll ausgelebt.
Und wie !
Es keckert, schnalzt und schnattert, quasselt, feixt und mäkelt, und das alles auf Ausländisch. Ungarisch oder Rumänisch, oder beides zugleich.
Ich verstehe wiedermal nur Bahnhof, bin aber klüger geworden seit meiner Lektion in Italien, wo ich sofort dort hingerannt bin.
Also lasse ich den Bahnhof von Huedin, dort wo er steht, bestelle mir noch ein Bier und glotze wie ein Tourist in die plappernde Menschenmenge.
Zum Biertrinken bleibt mir aber wenig Zeit, da ich mich an meiner Kamera festklammern muss.
Zum Glück kriege ich mich nicht selber vors Objektiv, ich hätte mich sonst totgelacht.
Doch das Schicksal meint offensichtlich, dass mein Stündlein noch nicht geschlagen hätte, und konsequenterweise kann ich mich nicht in meine Nikon reinkriegen, was, wie schon erwähnt, für mich unschön geendet hätte.
Die anderen Alten scheinen ebenfalls der gleichen Meinung zu sein, jedenfalls perlen sie über den Marktplatz, munter wie Quecksilbertropfen aus einem zerbrochenen Fieberthermometer. Nase schön nach oben, Maulwerk in ständiger Bewegung, nur die Hände fuchteln nicht so stark. Man ist ja nicht in Italien !
Armut gibt es hier mehr im Geldbeutel, weniger in der Seele. Das Landvolk wohnt im eigenen Haus, ein, zwei Kühe geben Milch für den Tauschhandel mit dem Nachbarn der drei Schweine hat, aber keine Kuh. Federvieh gackert hinter und neben jedem Haus, Schafe und Ziegen gibt es auch. Irgendwie wurschtelt man sich durch, und es scheint zu klappen.
Nur für das Jungvolk ist dieses Leben nichts, die sind alle in Deutschland, Frankreich, Spanien oder sonst wo.
Übrig bleiben nur die Alten.
Aber ohne sie hätte ich nicht all diese Bilder meiner Altersgenossen schießen können.
Guck, hier sind einige von ihnen :



Hast du da dieses junge Ding ohne Kopftuch gesehen ?



Kann die denn nicht mehr Guten Tag sagen ?



Ich glaub, da drüben sind sie besser . . .



Na, so was . . .



Zu meiner Zeit, bei Ceausescu, war das anders .



Nein, das Große dort, hinten rechts !



Na warte . . .



Ob das wohl richtig so war . . ?



Gut, aber bei uns haben Sie Qualität !



Wie war noch der Name ?



Vielleicht würde mich dieses hier etwas jünger machen ?




Sicherlich hockt er noch in der Kneipe, aber die Suppe soll trotzdem sofort auf dem Tisch sein.




Stummes Warten . . . worauf ?

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