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Die unbewohnten Träume 24. Nov. 2015

Das ist in Huedin, diesem verpennten, abgrundhäßlichen Provinznest, welches die hiesigen Dorfbewohner „die Stadt“ nennen.
Immer am Dienstag ist dort Markt, und dieses schon ununterbrochen seit 700 Jahren, sagte man uns stolz.
Meiner Anne sagt das Gewusel und das Gedränge nicht so zu, und deswegen bin ich dort meist alleine.
Und zwar mit Wonne.


Besonders gerne sitze ich unter der knatternden Plastikplane von einer der Futterstellen, wo die Würste und Fleischlappen auf dem Rost über der Holzglut schmurgeln. Duftschwaden kitzeln den Rüssel und das Äuglein ergötzt sich bevor rein-gebissen wird.
Hochgenuss !



Natürlich falle ich sofort auf, und schon sind da einige Zigeunerkinder die mich anbetteln. Ich habe mich daran gewöhnt wie an die Fliegen und es stört mich nicht weiter.
Weiter entfernt, dort, weit hinter dem Marktgewimmel, da ragen diese bunten Dächer in das Blau des Himmels.

Aufgedonnert wie thailändische Pagoden, papageienbunt wie Billigbonbons auf dem Rummelplatz, schreien sie ihre Prunksucht in das inzwischen abgestumpfte Publikum.
Nur ich bin erstaunt.
Also bringe ich meinen Plastikteller und die leere Bierflasche brav zum Ausschank zurück und gehe in Richtung der Wunderbauten.



Ich kann nicht erkennen ob das alles Baustellen oder aufgegebene Projekte sind, aber alles ist verlassen. Nur die schäbigen Häuschen zu Füßen der Paläste scheinen bewohnt zu sein.


Einige Zigeunerkinder spielen im Dreck, ein Köter lungert unter dem schmucken Torbogen eines Prachtbaus, in welchem zementgraue Schalbretter baumeln wie Barten eines Blauwals. Unter der Decke, blaue Plastikfetzen.


Man hat mir gesagt, dass dieses die Residenzen von Zigeunerbaronen sind. Oder sein sollen ?

Und ob es wohl Absicht ist, den Protz dadurch zu akzentuieren, dass man seinen Palast genau dort, neben die verfallenen Hütten der ärmsten der Armen errichtet ?

Aber bei genauerem Hinsehen schwitzt lediglich Schund und der Pfusch aus dem Gemäuer. Es klötert und klingelt wie die Pailletten am Zigeunerrock. Nichts ist solide, nichts ist von Dauer. Nur die Kuhkacke unter der bereits abblätternden Marmoreinfassung macht einen soliden Eindruck : Dort war wenigstens etwas Wirkliches los, kein Möchtegern-Traum, sondern ein echtes, ungekünsteltes Bedürfnis.
Alles andere ist teurer Firlefanz.
Unbewohnt.

Jedoch zu bedenken ist :
Nicht nur die reichen Zigeuner, sondern all unser Reichtum haut in ähnlicher Weise auf die Kacke, wenn auch nicht gerade auf die oben abgebildete.
Da gibt es lediglich Geschmacksunterschiede.
Und was die Lebenserwartung all dieser Kunstwerke anbetrifft, da gibt es fast gar keinen Unterschied, im Angesicht kommender Zeiten.
Denn die könnten anders aussehen,


als die Staatsoper in Wien.

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