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Vom Traum und von der Freihei 7. 2. 2015

. . . als wäre man frei in seinen Träumen . . .
Also da, liebe Leserin, lieber Leser, träumst du.
Mach einen Versuch: Träume die nächste Nacht von einem braunen Bären, der oben auf der Kirchturmspitze deines Lieblingsdorfes herumgetorkelt.
Oder, versuche den braunen Bären, der nur so, durch reinen Zufall, in deinen Traum rein-geplatzt ist, versuche diesen braunen Bären in ein sagen wir, rosa Exemplar umzuwandeln.
Schaffst du’s ?
Wir wissen wohl, das im Traum fast alles möglich ist, das da, das allerdings nicht. Selbst in unseren irrsten Träumen nicht.
Offensichtlich sind die Dinge nun-mal so gestrickt:
In deinen Träumen ist (fast) alles möglich, aber welche dieser unzähligen Möglichkeiten sich verwirklicht, das kannst du nicht bestimmen. Da bist du nicht frei.
Im Traum bist du Sklave der um dich, der in dir tanzenden Schimären.
Hast du das vergessen ?
Du vielleicht nicht, aber da sind uns sehr viele Leute über den Weg gelaufen, die vor unserer Roulotte in die Höhe hopsten und voller Entzückung quietschten: „Oh, welch ein Traum ! Wie gerne würde ich auch meine Träume verwirklichen können !“
Ganz unter uns, dieser Glaube vieler Menschen versüßt unseren Alltag nicht unerheblich:
Unzählige Menschen lächeln uns herzlich an, man winkt uns freundlich zu, massenweise Geschenke, Einladungen auf den Hof, zum Essen ins Haus, am laufenden Band.
Und das in diese Häuser, die total verbarrikadiert sind, gespickt voller Video­kameras, eingezwängt in hohe Mauern und Zäune. Davor die kläffenden Wachhunde, bevorzugt der Deutsche Schäferhund.

Es ist unglaublich, aber in diesem Land, wo die Menschen sich eine verfilzte Verwaltung eingerichtet haben, ein Apparat, dessen erst Opfer sie selber sind, wo es nur so von Carabinieri, Polizisten, Wachbeamten aller Art, von diesem Ungeziefer nur so wimmelt, in diesem Land gibt es auch noch Italiener: Gastfreundlich, hilfsbereit und voll von Neugierde.
Und Träumen ?
Offensichtlich ist das der Fall.


Jedenfalls sagte man uns das.
Und wie viele Menschen haben uns gesagt, dass wir, ja, ausgerechnet wir un­seren Traum verwirklicht haben.
Den Traum von der Freiheit.
Wenn die nur wüssten !

Klar, wir sind in eine Zeit hineingeboren worden, in einen Kontinent, in eine soziale Schicht, die uns den Luxus und den Irrsinn erlaubt, in einer Roulotte zu reisen.
Da muss ich an jenes Gespräch denken, das ich belauscht habe:
Wir saßen zu viert im Marathonwagen von Mauro, gezogen von einer weißen Stute, pura raza española. „Das ist das wirkliche Leben, das ist die pure Frei­heit !“
Und weiter: „Ich kann’s nicht nachvollziehen, wie es so viele Leute schaffen, einen jeden Tag lang, in einer Tretmühle unter der Knute eines Chefs zu schuften.“
Als ich das hörte, fiel mir so eine gepflegte Herrenrunde am Anfang des 19ten Jahrhunderts ein. Bequem in ihren Sesseln, indisches Büffelleder, vor einem Tischchen, mit Jagdmotiven besticktes Tischtuch, Baumwolle von den Inseln, bei einer Tasse Kaffee, Kenia, da saßen sie beieinander und debattierten über die Un­menschlichkeit der Sklavenhalterei.
Es waren nämlich Humanisten, Menschenfreunde.
Wie wir.
Wir rollen über Asphaltstraßen, auf Michelin-Reifen, und Matteo, Mauros Sohn, arbeitet als Vertreter in Sachen Mais. Er hat uns ein ganzes Paket No­tizblocks geschenkt. Er arbeitet für Monsanto, die hier unter dem Decknamen Dekalb auftreten.
Die Blocks sind sehr praktisch, man kann die unschönen Reklameseiten leicht entfernen, und „Monsanto“ steht nur winzig-klein, ganz versteckt, rechts unten.


Ja, diese Reise ist ein Traum!
Fast jeden Tag passiert etwas total Unerwartetes. Wie im Traum, ohne dass wir da etwas zugesteuert hätten. Jedenfalls nicht bewusst.
Wenn man unter Freiheit die Möglichkeit versteht, auf das Eintreten von Er­eignissen Einfluss zu nehmen, dann sieht es beim Reisen ziemlich mau aus, genauso wie im Traum.
Die einzige Freiheit die mir bleibt, ist die Freiheit auf ein Geschehnis zu rea­gieren. Mit Freudensprüngen oder unter Maulen.
Aber man braucht nicht zu verzweifeln, ein bisschen Freiheit bleibt einem noch.
Dank der Menschen die für uns in den zahlreichen Tretmühlen schwitzen können wir herumreisen und uns einbilden, unseren Tag zu gestalten, wie wir es wollen. Und das auch wegen all derer, die nicht mehr von dieser Welt sind weil vor Hunger und Entbehrung gestorben, ganz zu schweigen von der durch Arbeitsunfälle Verkrüppelten, in China oder anderswo, von den Kindern in Bangladesch. Sie ermöglichen uns das zu tun, was wir gerade jetzt ma­chen.
Und vor allem ist es unsere ausgefeilte Kunst zu verdrängen, nicht daran zu denken.
Auch das ist wie im Traum. Man ist mitten drin, man denkt an nichts anderes, selbst nicht an die weiche Matratze und auch nicht an den warmen Wupp, made in Poland.
Von Fabrikarbeitern, Nachtschicht.

Draußen, unter bleigrauem Himmel, satte, aufgequollene Schneematsch-Flo­cken klatschen ans Bullauge. Ich sitze in der warmen Roulotte am Computer, made in China, und ich träume.
Ich bin frei es zu tun.
Ich habe die Freiheit zu reisen.

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